Leseprojekte für 2025 Praxisheft Download Team

Tagungen

 

3. Lectio-Divina-Tagung

“Worte, die mir ins Herz fallen”
Wie verbinden sich Lectio Divina und Liturgie?


Tagung vom 31.10 - 2.11.2025 im Exerzitienhaus Himmelspforten, Würzburg
 

Über Allerheiligen nahmen 60 Teilnehmende an unserer 3. Lectio-Divina-Tagung teil. Sie feierten das Wort Gottes und praktizierten Lectio Divina in unterschiedlichen liturgischen Formen. Unter dem Motto “Worte, die mir ins Herz fallen” erforschten sie: Wie lässt sich Lectio Divina als eigenständige liturgische Form gestalten? Wie kann die Lectio Divina in anderen liturgischen Formen (Eucharistiefeier, Stundengebet, Impulse zu Tagzeiten u.a.) einen guten Ort finden?

Prof. Dr. Benedikt Kranemann, Liturgiewissenschaftler, Erfurt, und Prof. Dr. Egbert Ballhorn, Alttestamentler, Dortmund und Vorsitzender des Katholischen Bibelwerk e.V. begleiteten die gesamte Tagung. In seinem Vortrag betonte Prof. Kranemann die Gegenwart Gottes im Lesen und Verkündigen der Schrift. In der gegenwärtigen Kirche, in der sich viele Menschen bei Gottesdiensten mehr biblische Qualität, intensivere Beteiligung der Feiernden, weniger Klerikalismus und Lebensbezug wünschen, könnten Lectio-Divina-Formen einen wichtigen Beitrag leisten, so Kranemann. Prof. Ballhorn betonte, dass schon die Lectio Divina selbst Liturgie sein. Das Wort brauche Menschen, um Fleisch zu werden. Im gemeinsamen Lesen und Austausch reichen sich Menschen gegenseitig das Wort. Das Wort werde beim Austeilen mehr. Am Ende von Ballhorns Vortrag stand der Wunsch nach mehr partizipativen Liturgien, aber auch nach mehr Raum, Freiraum, Luft und auch Stille, damit das Wort Gottes seine Wirkung entfalten könne.

Das Besondere der Tagung war, dass sehr unterschiedliche Formen von Liturgien mit Lectio-Divina-Elementen gefeiert und reflektiert wurden - von der Kleinstform in Gestalt der Kinomeditation bis hin zur Inszenierung eines Abschnittes der Schrift in einer kunstvollen, liturgischen Lesung der kompletten Bergpredigt. Eine Eucharistiefeier mit Lectio Divina wurde bewusst so gestaltet, dass sie gut als Modell nachgefeiert werden kann und auf allen Ebenen die Gleichwertigkeit von Wort Gottes und Eucharistie verkörpert. Am Sonntagmorgen stand eine Wort-Gottes-Feier im Mittelpunkt, in der alle Teilnehmenden das Wort auf kreative Weise miteinander teilten und spürten, was eine “Wortvermehrung” bedeuten kann. Auch die Morgen- und Mittagsimpulse zeigten die Bandbreite, wie mit Lectio Divina ein lebendiger Umgang mit dem Wort Gottes möglich ist.

Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Lectio-Divina-Tagung - voraussichtlich in 2027!

Rückblick auf die 2. Lectio-Divina-Tagung in Würzburg 2024

Mit 105 Teilnehmer*innen aus 5 Ländern und 20 deutschen Bistümern hat die 2. Lectio-Divina-Tagung im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg vom 9.2.-11.2.2024 stattgefunden. Es waren bewegende und inspirierende Tage, die diesmal den inhaltlichen Schwerpunkt auf Kontemplation und Stille in der Lectio Divina gelegt haben. Wir haben dabei über den Bibelwerks-Tellerrand hinausgeschaut und uns mit weiteren Kreisen vernetzt und ausgetauscht. 

Die Erzählung von der Erscheinung des Auferstandenen am Kohlenfeuer am See von Tiberias (Johannes 21,1-19) begleitete uns als Leittext. Prof. Dr. Simon Peng-Keller, Professor für Spiritual Care in Zürich und seine Frau, die Psychotherapeutin Dr. Ingeborg Peng-Keller, haben den Leittext in Abschnitten über die Tagung verteilt und den Teilnehmer*innen eine intensive Begegnung mit den Schriftworten ermöglicht. Der Musiker und Komponist Helge Burggrabe hat uns in die Entstehung seines Dreikönigsoratoriums mitgenommen. Seine musikalische Antwort auf die neutestamentliche Sterndeutergeschichte zeigte wie Musik eine Form der Lectio Divina ist. Burggrabe hat sein Oratorium im Aufbau an die vier Schritte der Lectio Divina angelehnt, wie er in Bibel heute 239 (Themenheft “Pilgern” S. 14-16) beschreibt. 

Höhepunkt der Tagung war ein Mitsingkonzert mit Helge Burggrabe in der vollen Augustinerkirche in Würzburg, das viele Menschen aus der Stadt anzog. Da das Bistum Würzburg ein Lectio-Divina-Bistumsprojekt plant, nahm auch Bischof Franz Jung am Freitag an der Tagung teil und betonte in einer Talkrunde, wie sehr er die Lectio-Divina als Geschenk betrachte.